Der politische Durchbruch für eine klare Krypto-Regulierung in den USA bleibt aus. Warum Ripple-Chef Brad Garlinghouse wütend gegen die Demokraten austeilt – während Charles Hoskinson und Michael Saylor gelassen bleiben.
Das Scheitern des Clarity Acts ist vorerst besiegelt. Bis zuletzt hofften Krypto-Branchengrößen auf ein positives Ergebnis – und viele Anleger erwarteten neue Kursimpulse für Bitcoin, Ethereum, XRP und Co., wenn das Krypto-Gesetz verabschiedet wird. Doch schon seit Jahresbeginn zeichneten sich verhärtete politische Fronten ab. Letztlich erhielt der Antrag, der den Weg für die weitere Beratung freimachen sollte, nur 49 statt der erforderlichen 60 Ja-Stimmen. Wie ein Krypto-Traum an der politischen Realität zerplatzte – und warum weder Michael Saylor noch Charles Hoskinson allzu bekümmert darüber sind, während sich Ripple-Chef Brad Garlinghouse auf die “Anti-Krypto-Armee” einschießt.
“Clarity” auch ohne Clarity Act, oder: Wie die Krypto-Branche ihre Wunden leckt
Der Coinbase-Chef, welcher erst vor wenigen Wochen zusammen mit weiteren Krypto-Titanen im Weißen Haus empfangen wurde, plant offenbar keine längere Trauerphase ein. Zwar schreibt Armstrong in einem X-Post von “Enttäuschung”, lenkt die Aufmerksamkeit seiner Followerschaft aber direkt auf den Plan B: “Die SEC und die CFTC verfügen über die notwendigen Instrumente, um im Rahmen ihrer bestehenden Befugnisse klare Regeln aufzustellen”. Ohnehin sei es notwendig gewesen, einige Zugeständnisse beim Clarity Act zu machen, “die schwer zu schlucken waren”, sodass ein Scheitern für die Krypto-Branche vielleicht sogar das Beste wäre.
The CLARITY Act didn't advance in the Senate today, which was a disappointment. While it's possible bi-partisan conversations continue and it lives to fight another day, we can't wait on Congress anymore.
The SEC and CFTC have the tools they need to create clear rules under…
— Brian Armstrong (@brian_armstrong) September 15, 2026
Auch mit Klarheit (engl.: Clarity) seitens der zuständigen Regulierungsbehörden könne man das Finanzsystem weiter modernisieren. “Krypto lässt sich nicht rückgängig machen”, lautet Armstrongs kämpferisches Statement, dem SEC-Chef Paul Atkins bereits vor der Abstimmung eine gewisse Grundlage verlieh. “Ob mit oder ohne dieses Gesetz – diese Regierung wird sich für amerikanische Investoren und technologische Innovatoren einsetzen”, betonte der 68-Jährige auf dem Gipfel des Solana Policy Institute. “Es wurden Versprechen abgegeben, und diese werden eingehalten”.
Hauptsächlich sollen die SEC-Pläne im Rahmen von “Project Crypto” umgesetzt werden. Eine Verordnung über Krypto-Assets könnte Token-Emittenten einen klaren Weg zur Kapitalbeschaffung nach US-Wertpapierrecht ebnen, was Atkins als einen der größten Modernisierungsschritte in der Geschichte seiner Behörde bezeichnete. Außerdem arbeitet die SEC an neuen Vorschriften für Transferstellen, die für tokenisierte Wertpapiere auf institutioneller Ebene eine wichtige Rolle spielen, sowie an einer Verbesserung der Verwahrregeln für Kryptowährungen.
Hat die “Anti-Crypto Army” den Krieg gewonnen?
Weniger mit seiner Frustration hinter dem Berg halten will Brad Garlinghouse. Der Ripple-CEO und Krypto-Milliardär, dem auch die Bitcoin-Community schon mehrfach seine politischen Lobbyanstrengungen ankreidete, hatte sich offenbar deutlich mehr erhofft – und gibt jetzt vor allem den Demokraten die Schuld. “Das tut weh”, konstatiert der bekennende Trump-Unterstützer, weil sein Team und die gesamte Branche alles dafür getan hätten, um die Position der USA als “Krypto-Hauptstadt der Welt” und als “Vorreiter in der Zukunft des Finanzwesens” zu festigen.
1/ This one stings. Our team gave everything we had to get the Clarity Act across the finish line. So did most of the industry. This was an opportunity bigger than Ripple or one company – we did this for the industry, for consumers and to cement the US’s position as the crypto…
— Brad Garlinghouse (@bgarlinghouse) September 15, 2026
Es müsse eine Nachbetrachtung dahingehend stattfinden, wie der Clarity Act scheitern konnte. Sein vorläufiges Fazit: “Die Politik der Demokraten (der ‘Anti-Krypto-Armee’) wurde über eine gute Gesetzgebung gestellt.” Tatsächlich hatten die demokratischen Senatoren geschlossen mit “Nein” abgestimmt. Kurz vor der Abstimmung erklärte beispielsweise die als Krypto-skeptisch geltende Elizabeth Warren: “Dieser Gesetzentwurf würde Donald Trumps beispiellose Korruption noch weiter anheizen”. Ihren republikanischen Kollegen warf die 77-Jährige vor, Trumps Korruption “zu ignorieren” und zu versuchen, den Clarity Act auf Krampf “durchzudrücken”.
Garlinghouse will aber nicht klein beigeben und äußert sich ebenfalls optimistisch darüber, dass SEC und CFTC gemeinsam Vorschriften erlassen könnten, um die “Krypto-Gesetzeslücke” in den Vereinigten Staaten zumindest teilweise zu schließen. Der Expansionskurs seines eigenen Unternehmens sei ohnehin unaufhaltsam: “Das Geschäft von Ripple war noch nie so stark wie heute – es besteht echte Nachfrage sowohl im traditionellen Finanzsektor als auch im Ökosystem der digitalen Vermögenswerte”. Daran ändere eine politische Abstimmung in Washington nichts. Und der wortgewaltige Charles Hoskinson, der zuletzt mehrfach gegen Ripple schoss? Der reagiert völlig anders auf den regulatorischen Paukenschlag.
Die Klarheit liegt in Bitcoin selbst
“Ich habe mehr als ein Jahr lang allen erklärt, dass der Clarity Act von vornherein zum Scheitern verurteilt war, dass er nicht funktionieren würde und dass er nicht verabschiedet werden würde” – urteilt der Cardano-Gründer. Vorgesehen war im Gesetzesvorschlag unter anderem eine klare Abgrenzung zwischen “digitalen Rohstoffen” unter Aufsicht der CFTC und “digitalen Wertpapieren”, die künftig der SEC unterstanden hätten. Das brachte Hoskinson auf die Palme, weil es der “feuchte Traum” einer nach den Präsidentschaftswahlen 2028 womöglich erneut Krypto-feindlichen Behörde sei. Schon im März sprach er daher von “schrecklichem Müll” und warnte vor dem Clarity Act.
Obwohl das Scheitern des Krypto-Gesetzes am Markt unmittelbar zu Verlusten führte und der BTC-Kurs zeitweise auf 75.000 US-Dollar korrigierte, müssen sich Bitcoin-Investoren keine allzu großen Sorgen machen. Die Krypto-Leitwährung ist regulatorisch ohnehin schon eindeutiger klassifiziert als viele jüngere Altcoins und verfügt über fundamentale Eigenschaften wie Dezentralität und absolute Knappheit, an denen keine politische Abstimmung je etwas ändern können wird. Washington mag also weiterhin um die Regulierung des Krypto-Sektors ringen – das Bitcoin-Protokoll funktioniert nach seinen ganz eigenen Regeln. Strategy-Gründer Michael Saylor bringt diese Haltung präzise zur Geltung: “Die einzige Klarheit, die du brauchst, ist Bitcoin.”
Original Source: BTC-ECHO







